Der Erikativ goes Social Media

Blicken wir in das Jahr 1984. Die Verfasserin dieses Beitrags ging damals zur Grundschule und freute sich vor allem auf einen Wochentag: den Samstag. Nicht, weil da keine Schule war, sondern weil samstags das neue Micky Maus-Heft erschien (mein erstes Zeitschriftenabonnement übrigens). Vor allem der cholerische Donald und seine cleveren Neffen Tick, Trick und Track waren meine Helden.

Dass sich in den Dialogen und Geschichten sprachliche Finessen verbergen, war mir damals vermutlich nicht sehr bewusst. Doch mit ihren Übersetzungen hat die Chefredakteurin Dr. Erika Fuchs die Comics zu echten Sprachperlen gemacht – und die deutsche Sprache bis heute geprägt. Legendär sind ihre kreativen Namenschöpfungen, Alliterationen, Anleihen an Klassiker wie Schiller oder Wilhelm Busch und nicht zuletzt der sogenannten Erikativ. Der Erikativ, seit 1998 offiziell als Inflektiv bekannt, steht für die infinite und unflektierte Nutzung von Verben. Stöhn, klingt das kompliziert! Ist aber, seufz, eigentlich ganz einfach.

Und während damals viele über den neuen Sprachstil die Nase rümpften, hat sich der Erikativ in den letzten Jahrzehnten klammheimlich in der deutschen Sprache dauerhaft niedergelassen – und noch weiterentwickelt. Gerade bei Chats und in Social Media-Kanälen greifen Nutzer gerne auf eine Art erweiterten Erikativ zurück, um ihre Stimmung zu beschreiben. Nicht mehr nur Verben, sondern ganze Satzglieder werden nun inflektiv: #indieTischkantebeiß, #liebanlächel oder #Kopfschüttel sind nur ein paar Beispiele.

Zugegeben, in unseren ZE-Publikationen findet man den Erikativ nur äußerst selten, aber als Sprachspielart mögen wir ihn natürlich. Und zur Feier der Eröffnung des Erika Fuchs-Museums am Wochenende wurde prompt die alte Micky Maus-Sammlung herausgekramt. Ächz.

Über den Autor

Roya Piontek

Ein Magazin, vier Regionalausgaben und das alles in fünf Sprachen? Kein Problem. Je komplexer das Projekthandling, desto spannender die Aufgabe, findet Roya. Als Abwechslung schätzt sie Vor-Ort-Termine beim Kunden, bei denen man mit den Menschen hinter den Kulissen reden kann.

Agentur

Wir denken strategisch und arbeiten kreativ. Wir sind Experten für Corporate Medien mit Fokus auf Meinungsbildner, Öffentlichkeit und Mitarbeiter.

Lernen Sie uns kennen