Die ZElf des Halbfinales

Okay, wir sind raus. Aber – Vorsicht Floskel – so ist Fußball. Wir beobachten weiter für Sie: Wer hat seine Sache gut gemacht, wer fiel auf, wer durch, was bleibt hängen, was kann man vergessen? Nach jedem Spieltag küren wir unsere #ZElfDesTages.

Nicola Rizzoli Auch der Schiedsrichter hatte beim Halbfinale nicht seinen besten Tag – und wir sprechen jetzt nicht über seine Pfiffe. Mit einer Entscheidung lag der Italiener schon vor dem Spiel daneben: Er hatte seinem Team babyblaue Stutzen verordnet, um sich besser von der schwarz-weißen DFB-Elf abzusetzen. Die Fashion-Polizei auf Twitter reagierte prompt und empfahl Rizzoli, in der zweiten Halbzeit auf rosa umzuschwenken.

Dieter Gruschwitz Beim Anpfiff in Marseille blickten fast 21 Millionen Menschen in Deutschland auf einen türkischen Flugkapitän. Während andere europäische Sender pünktlich auf Sendung waren, spulte das ZDF noch einen Werbeclip von Partner Turkish Airlines ab. „Das nehmen wir auf unsere Kappe. Der Trailer ist zu spät eingespielt worden“, sagte Sportchef Dieter Gruschwitz der „Bild“. Kein Wunder, dass sich viele Deutsche nach Schlusspfiff im falschen Film wähnten.

Spielerkinder Die UEFA hat den meckernden Rentner in sich entdeckt, der neben einem Kindergarten wohnt und sich vom Spiellärm gestört fühlt. Oder wie sonst ist die Ansage zu verstehen, dass die Spieler künftig bitte davon absehen sollen, ihre Kinder nach Abpfiff auf den Rasen zu lassen? Angeblich geht’s um die Sicherheit. Wir vermuten, dass die UEFA Sorgen hat, dass sympathische Bilder von Spielern mit ihren Kindern zu sehr von teuer verkauften Werbeflächen ablenken könnten.

Gefrierbeutel Dass Unternehmen sich verpflichtet fühlen, mit mehr oder weniger lustigen Werbekampagnen auf den EM-Zug aufzuspringen, hatten wir ja schon festgestellt. Der Gefrierbeutelhersteller Toppits – Achtung! – toppt das ganze noch und hat eine EM–Sonderedition auf den Markt gebracht. Wir freuen uns auf Berichte, ob ein Eiffelturm-Aufdruck vor Gefrierbrand schützt.

Turniererkrankungen Nein, hier geht es nicht um zwickende Waden oder gezerrte Muskeln – wir werfen einen Blick auf Dr. Mehmet Scholl. Seine Pöbeleien über DFB-Chef-Scout Urs Siegenthaler begründete er nun nämlich mit einem Gehirnschluckauf. Das ist nach der Gänsehautentzündung bei der WM 2014 in Brasilien die zweite schöne „Krankheit“, die der Ex-Bayern-Spieler und ARD-Experte gewortschöpft hat. Als Sprachfans machen wir dafür eine kleine La Ola.

Natürlichkeit Zu viel Geld, zu viel Business, zu wenig Fußball wie er früher einmal war. „Der Fußball muss natürlich bleiben“, findet Fotograf Gerrit Starczewski. Die nackte Wahrheit muss auf den Platz. Hier ist sie: vimeo.com/163988816

Philipp Lahm Außerdem Per Mertesacker und Miroslav Klose. Welch großartige Sportler die Nationalmannschaft vor zwei Jahren verloren hat, sieht man auch daran, dass man während der WM nix von ihnen sieht und hört. Nicht mal einen temporären Gehirnschluckauf.

Beau Jeu Schöne Idee, den offiziellen EM-Ball „Schönes Spiel“ zu taufen. Leider waren viele Spiele dieser EM alles andere als schön anzusehen. Was sich auch im Torschnitt spiegelt: Bis zum Finale zappelte „Beau Jeu“ nur 2,14 Mal pro Spiel im Netz. Sein Vorgänger „Tango 12“ machte 2012 mit 2,45 Mal einen besseren Schnitt – vom Kollegen „Telstar Durlast“ (4,75 Tore pro Spiel) in Jugoslawien 1976 ganz zu schweigen.

Cristiano Ronaldo Man kann gegen ihn sagen, was man will. Eins hat der Mann: ein Herz für Flitzer. Dass Cristiano Ronaldo jetzt sogar Balljungen mit aufs offizielle Mannschaftsfoto lässt, ist nur der vorläufige Höhepunkt einer langen, zärtlichen Beziehung zwischen dem Superstar und den blinden Passagieren des Ballsports. Unser Vorschlag, um das Ganze zu professionalisieren: Nächstes Mal einfach direkt einen Fan von der Tribüne runterwinken.

Bügeleisen Sechs Spiele, keine Tore: Für Thomas Müller gab es schon erfolgreichere Turniere. Dafür lieferte der Bayer die bislang beste Erklärung dafür, warum es bei ihm und Sturm-Kollege Mario Gomez diesen Sommer nicht rund lief: „Wir sind zwei Spieler mit Bügeleisen in den Schuhen.“ Will sagen: Nach einer langen Saison in Liga und Champions-League ist man irgendwann einfach müde. Liebe Uefa, heißer Tipp für die nächste Planungsrunde: weniger Spieltage = frischere Spieler.

Spielanalyse Als Kommunikationsexperten finden wir Fragen wie „Woran hat es gelegen?“ nach dem Spiel ja nur bedingt zielführend. Seit diesem Interview kennen wir aber die perfekte Antwort!

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Über den Autor

Michael Aust

Wörter wie Mukoviszidose und Pädiatrische Hämatologie gehen Michael flüssig über die Lippen. Seit mehr als zehn Jahren schreibt er inzwischen über Gesundheitsthemen – und hat sich dabei eine Menge Medizinerwissen angeeignet. Trotzdem: Wenn beim Schreiben aus einer losen Wörtersammlung eine Geschichte entsteht, ist Michael doch froh, nicht Arzt sondern Redakteur geworden zu sein.

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