7 Erkenntnisse für Kommunikator:innen im Umgang mit ChatGPT

Twitter, die einschlägigen Branchenmedien aber auch die Publikumspresse überschlagen sich förmlich: Von nichts weniger als einem historischen Moment, einer technischen Revolution – vergleichbar mit der Veränderungskraft des Internets – ist die Rede. Sogar von einer neuen Zeitrechnung liest man, einzuteilen in vor und nach ChatGPT. Was bedeutet die neue Hype-Anwendung für Kommunikator:innen? Zimmermann Editorial hat sieben Erkenntnisse gesammelt.

ChatGPT – das ist der neue, auf künstlicher Intelligenz beruhende Chatbot der Stiftung Open AI (unter anderem finanziert von Elon Musk und Microsoft), die bereits vor zwei Jahren DALL-E auf den Markt gebracht und vor drei Monaten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. DALL-E hat in der Kreativbranche für ordentlich Furore, respektive Angst und Schrecken gesorgt. Jetzt also ChatGPT.

Frei nach der Standard-Frage von Markus Lanz - ,Was macht das mit Dir?‘ – haben wir ChatGPT einfach mal ausprobiert. Passend zur Weihnachtszeit geht ein knappes Briefing – auf Deutsch – an den Chatbot:

Schreibe eine emotionale Weihnachtsmail vom Chef
an die Mitarbeitenden unterzeichnet vom Nikolaus.

Das Ergebnis, wie von Geisterhand eingetippt, erscheint binnen weniger Sekunden auf dem Bildschirm und liest sich so: …

Jedes Detail des Briefings umgesetzt und in geschätzten sieben Sekunden ein Ergebnis geliefert. Faszinierend, beeindruckend und beängstigend zugleich.

Mal sehen, ob der Chatbot auch anders kann. Re-Briefing – mit einem geänderten Detail:

Schreibe eine passiv-aggressive Weihnachtsmail vom Chef
an die Mitarbeitenden.

Das Ergebnis:

Abgesehen davon, dass die Mail sich in Teilen eher aktiv-aggressiv als passiv-aggressiv liest, lässt sich festhalten: Chat GPT kann auch böse und bietet auch in puncto Tonalität verschiedene Facetten.

Neben diesen banalen Beispielen (sorry, es ist Weihnachtszeit) geistern aber noch ganz andere Screenshots von der Interaktion mit ChatGPT durchs Netz. Gedichte, Programmcode, Bibelverse oder ein Lied von DJ Bobo über Schinken – nichts scheint unmöglich. t3n hat ein paar Highlights gesammelt.

Was aber heißt das jetzt für die Kommunikationsbranche und viele andere Berufe, die von der KI-Anwendung bedroht werden könnten? ZE hat sieben Erkenntnisse gesammelt.

1. Das Tool hat immenses Potenzial
Es ist absolut möglich, dass ChatGPT in nicht allzu ferner Zukunft die Erstellung einfacher Texte übernehmen kann: vom Formulieren formeller E-Mails oder Behördenbriefen, über Marketingtexte bis zu Produktbeschreibungen. Das Programm ist ein mächtiger Schreibassistent, allein auf das richtige Briefing kommt es an.

2. Die Chancen sehen
Wie immer wenn von künstlicher Intelligenz die Rede ist, müssen wir auch die Chancen betonen. Wie unter 1) schon angedeutet, könnten Kommunikator:innen von einfachen, bisweilen lästigen Tätigkeiten befreit werden. Bleibt mehr Zeit, um kreatives Potenzial zur Entfaltung zu bringen, sich auf Beratung zu konzentrieren und mit MI (menschlicher Intelligenz) zu überzeugen. Auch in der Zeitrechnung nach ChatGPT bleibt gewiss noch reichlich Arbeit für Kommunikationsprofis.

3. Keine Zeit für Schockstarre
Machen wir uns nichts vor: Die ersten Selbsttests und Erkenntnisse zeigen, dass Anwendungen wie ChatGPT nicht aufzuhalten sind. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig damit zu beschäftigen und Anwendungsfälle zu entwickeln, bei denen solche Tools sinnvoll helfen können. Vielleicht direkt zu Weihnachten mit ein paar witzigen, „selbst gedichteten“ Versen für die Familie?

4. Vorsicht ist geboten
Open AI betont selbst, dass die Anwendung noch ganz am Anfang steht und einige Schwächen offenbart. Es gibt keinen Faktencheck. ChatGPT ist ein Textgenerator und kein Recherche-Instrument. Hinter dem neuen Tool von OpenAI befindet sich keine allwissende Macht, sondern eine künstliche Intelligenz, die sich vor allem von Daten ernährt, die im Internet zu finden sind – und dort ist bekanntlich auch viel dummes Zeug, respektive fake news zu lesen.

5. Medienkompetenz zwingend erforderlich
Man muss sich im Umgang mit dem Tool immer vor Augen führen, dass die Nutzenden von ChatGPT nicht wissen, was das Programm nicht weiß. Entsprechend ist ein hohes Maß an Medienkompetenz im Umgang mit dem Tool erforderlich.

6. Das Tool hat natürliche Grenzen
Letztlich sind die Texte von ChatGPT nur eine Reproduktion von dem, was es schon gibt. Ein Ausblick oder eine tagesaktuelle Verarbeitung bietet das Tool (noch) nicht. Die Wissensbasis des Bots geht bislang nur bis zum Jahr 2021, weswegen er Fragen zu aktuellen Geschehnissen nicht beantworten kann. Und gar nicht selten liefert das Tool nachweislich falsche Antworten – allerdings ohne Hinweis, dass es sich nicht sicher ist.

7. Echte Stories brauchen echte Protagonisten brauchen echte Interviews
Um gute Geschichten zu schreiben, sind oft viele Gespräche nötig. Mit Expert:innen, mit Betroffenen, mit Vordenker:innen. Dafür braucht es nach wie vor echte Menschen, die empathisch und neugierig interviewen.

Es ist also eigentlich wie immer: Auch als das iPhone auf den Markt kam, wagte niemand vorherzusagen, wie es die Welt verändern wird. Wie ChatGPT und ähnliche Programme die Welt verändern werden, ist also ebenfalls noch längst nicht ausgemacht. Dass sie sie verändern werden, steht aber zumindest für den Autor dieses Beitrags fest.

Foto: Dall-E

Über den Autor

Florentin Bub

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