Interne Medien: Ab heute nur noch online

Nach 80 Jahren ist der Tanker untergegangen. #LAST PRINT ISSUE stand im Dezember auf der letzten Ausgabe geschrieben, die auf dem Titel das alte „Newsweek“-Gebäude im Herzen New Yorks zeigte. Der Hashtag war die eigentliche Botschaft: Ab heute nur noch online.

Die Einschläge für Print-Publikationen kommen immer dichter. Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland sind hierzulande die jüngsten Beispiele, die sich als Opfer der digitalen Revolution sehen. Angesichts solcher Entwicklungen fragen sich nicht wenige Unternehmen: Wenn schon bald unsere Belegschaft in der Mehrheit aus „Digital Natives“ besteht, machen dann gedruckte Mitarbeiter-Publikationen überhaupt noch Sinn?

Gute Frage. Und nicht selten wird sie mit einer übereilten Entscheidung beantwortet: Ab heute nur noch online. Die Diskussion von nur fünf Fragen kann helfen, nicht nur schnell, sondern richtig zu entscheiden.

1. Wen erreichen wir, rein theoretisch?

Sind alle Mitarbeiter mit einem PC oder Laptop oder Tablet ausgestattet? Und haben Sie auch unterwegs oder zuhause Zugriff auf die digitale Welt des Unternehmens? Gedruckte Publikationen werden nämlich häufig unterwegs oder zuhause gelesen, manchmal sogar nicht nur von den Mitarbeitern selbst, sondern auch von deren Familien, Freunden oder Bekannten. Und wie ist es mit den Ehemaligen, die immer noch als gute Multiplikatoren im Sinne des Unternehmens wirken? Erreicht man die digital?

2. Wen erreichen wir, ganz praktisch?

Der Zugang zu digitalen Medien allein bedeutet nicht, dass sie auch genutzt werden. Deshalb muss man kritisch beleuchten: Ist das Intranet im Unternehmen als Kommunikationsmedium überhaupt etabliert? Werden hier Informationen und Hintergrund erwartet oder dient es mehr als Rechercheinstrument und Download-Center von Formularen? Darüber hinaus: Wenn es den Zugang in die digitale Welt des Unternehmens aus Sicherheitsgründen nur im Unternehmen gibt – haben die Mitarbeiter während der Arbeit überhaupt Zeit zur Online-Lektüre von Interviews, Hintergrundbeiträgen etc.?

3. Was ist das Signal?

Ist das Unternehmen gerade auf einem ernst gemeinten Innovationskurs, in dem viele alte Zöpfe gekappt und viele neue Wege beschritten werden? Dann kann der konsequente Umstieg auf digitale Medien ein starkes Signal sein, dass man es mit dem Change ernst meint. Läuft aber gerade die große Sparwelle, dann ist auch klar: Mit Innovation hat das nichts zu tun. Kommunikation zählt hier einfach nicht mehr.

4. Ist der Ersatz adäquat?

Online funktionieren Feedback und Dialog besser, schneller und effektiver. Das gedruckte Magazin wiederum ist der beste Ort für die hintergründige Reportage, das aufklärende Interview oder das facettenreiche Schwerpunktthema. Geht das auch in der neuen, digitalen Welt? Hat man beim neuen digitalen Mitarbeiter-Medium also daran gedacht, dass es eine Entsprechung für die klassischen Magazin-Inhalte braucht?

5. Sind wir vorbereitet?

Wer von Print auf Online umstellt, muss sich auch in der redaktionellen Arbeit umstellen. Jetzt ist jeden Tag Redaktionsschluss, Themenplanung kennt keinen Anfang und kein Ende, alles ist ständig im Fluss und obendrein muss die Redaktion (oder wer auch immer) mit Kommentaren, Anfragen und Feedback umgehen. Hier löst nicht ein Medium das andere ab – hier beginnt eine neue Zeit! Und die braucht nicht nur Manpower sondern auch eine andere Kommunikations- und Arbeitskultur, der endlose Abstimmungsprozesse fremd sind.

Es sind nur fünf banale Fragen, die jedes Unternehmen leicht beantworten kann. Die eigentliche Frage über allem aber ist die: Wird unsere interne Kommunikation auch besser, wenn sie anders wird?

Teaserbild: Photo by Ash Edmonds on Unsplash

Über den Autor

Lutz Zimmermann

Vom kleinen Dachstudio ins Großraumbüro in Ehrenfeld – seit Lutz die Agentur 2011 gegründet hat, ist aus seinem Zwei-Mann-Unternehmen eine 12-köpfige Agentur geworden. Was sich in all der Zeit nicht geändert hat, ist Lutz Liebe für flache Hierarchien und griffige Überschriften. Und wenn der 1. FC Köln nicht gerade verloren hat, ist er jederzeit für einen Plausch über Sport zu haben.

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