„User Experience ist mehr als schönes Screendesign“

Früher war der Kunde einfach König. Heute spricht man von User Experience (UX) – also dem Erlebnis, das der Nutzer bei der Orientierung in der digitalen Welt hat. Wir haben mit Simon Seidl von der Stuttgarter Online-Agentur b:dreizehn darüber gesprochen, was beim Screendesign wichtig ist, damit der Nutzer auch wirklich zum Ziel findet.

User Experience (UX) – ist das ein neues Phänomen oder hat es jetzt einfach nur einen schicken Namen?

Richtig neu ist das Thema tatsächlich nicht. Fortschrittliche Unternehmen sind schon lange darauf bedacht, ihren Kunden im Web ein außergewöhnliches Erlebnis zu ermöglichen. In den letzten Jahren hat der Begriff UX aber in der Breite an Popularität gewonnen. Immer mehr Unternehmen merken, wie entscheidend dieses Thema für gute Produkte oder Serviceleistungen ist. Der Begriff wird auch deutlich weiter gefasst: es geht nicht nur um Mensch-Computer-Interaktion und Interface, sondern um Kundenzufriedenheit generell.

Woran erkenne ich ein gutes UX-Konzept?

Eine schwierige Frage. Im Mittelpunkt steht sicherlich die intuitive Interaktion. Der Nutzer sollte sofort das Gefühl haben: „Ich kapiere, wie das hier funktioniert“ – ohne umfassende Anleitung. Aber zeitgemäße UX geht über Erscheinungsbild und Nutzerführung hinaus. Im Vordergrund steht immer mehr ein positives Gesamtgefühl bei der Produktnutzung. Am besten denkt der Nutzer am Ende: „Das war’s schon? Das war ja einfacher als ich dachte!“

Wer sind die Vorreiter in Sachen UX?

Wie so oft setzen US-amerikanische Unternehmen wie Airbnb oder Uber Maßstäbe. Bei ihnen sieht man deutlich, dass es dabei nicht nur um das Interface geht, sondern UX ein essentieller Bestandteil der Unternehmenskultur ist und die gesamte Interaktion eines Kunden mit dem angeboten Service betrifft. Aber auch aus Deutschland kommen Produkte mit einer überdurchschnittlich guten UX wie zum Beispiel das Organisiertool von Wunderlist, das mittlerweile von Microsoft gekauft wurde. Und wir haben – finde ich – mit der Online- und iPad-Version des Magazins theanalyticalscientist.com auch eine gute UX-Lösung entwickelt.

Welche Trends/Entwicklungen gibt es?

Unzählige! Ein wesentlicher Trend ist die sogenannte Personalized Experience (PX). Dabei geht es darum, UX noch individueller auf den einzelnen User zuzuschneiden. Außerdem wirkt sich das Internet der Dinge immer stärker auf UX aus. Durch die fortschreitende Digitalisierung und stetig wachsende Zahl an vernetzten Geräten – von Wearables bis zu Haushaltsgeräten – geht UX weit über Screendesign hinaus. Dafür kommen immer mehr Ein- und Ausgabemöglichkeiten wie zum Beispiel Sprach- oder Gestensteuerung hinzu.

Welchen Einfluss haben die unterschiedlichen Endgeräte auf UX?

Das ist in der Tat eine Herausforderung: Der Einfluss der verschiedenen Endgräte ist gewaltig. Dabei geht es nicht nur um eine flexible Gestaltung, um den unterschiedlichen Größen und Auflösungen von Smartphone-, Tablet-, Computer- oder TV-Screens gerecht zu werden. Man muss auch die Eingabemöglichkeiten berücksichtigen. So verlangt beispielsweise die fehlende Mouse-Over-Funktion bei Touch-Geräten nach alternativen Interaktionen. Hinzu kommen neue Technologien wie beispielsweise 3D Touch oder Force Touch. Touchinterfaces reagieren damit nicht nur auf einfache Gesten, sondern auch auf Druckunterschiede.

Gibt es einen Königsweg bei der Konzeption von responsiven Seiten?

Leider nicht. Aber wir fahren mit dem Ansatz „mobile first“ bislang sehr gut. Wir gehen vom kleinsten Gerät aus, skalieren und reichern dann für die weiteren Screengrößen an. Grundsätzlich denken und arbeiten wir kaum noch mit statischen Layouts. Der Designprozess erfolgt zunehmend direkt im Browser mit Hilfe von Prototyping- und Design-Tools, die in der Lage sind verschiedene Status eines Screens zu simulieren sowie Animationen, Transitions und Microinteraktionen zu zeigen.

Wie sieht das mit UX bei digitalen internen Medien aus? Unterscheidet sich die Benutzerführung da von einer klassischen Website?

Grundsätzlich helfen bei der UX von Intranets oder Online-Magazinen die Konventionen und Funktionen, die man von klassischen Websites kennt, weiter und sind eine gute Basis. Aber zusätzlich gibt es bei internen Formaten häufig hoch spezialisierte Zielgruppen, die eigene Verhaltens- oder Arbeitsweisen haben. Je besser man diese kennt, bzw. der Auftraggeber diese benennen kann, desto passender lässt sich eine gute Benutzerführung mit positiver UX gestalten.

Über b:dreizehn:

Die b:dreizehn GmbH ist als Online-Spezialist ein Full-Service-Anbieter für Kunden und Projekte unterschiedlicher Größen aus dem In- und Ausland. Ein besonderer Stellenwert liegt für die Stuttgarter Agentur auf der Entwicklung von integrierten Plattformen und Angeboten – bevorzugt mit der Technischen Basis TYPO3 CMS.

Über den Autor

Roya Piontek

Ein Magazin, vier Regionalausgaben und das alles in fünf Sprachen? Kein Problem. Je komplexer das Projekthandling, desto spannender die Aufgabe, findet Roya. Als Abwechslung schätzt sie Vor-Ort-Termine beim Kunden, bei denen man mit den Menschen hinter den Kulissen reden kann.

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