„Foto als Ausgangsmaterial“

Die Bildbearbeitungs-Software Photoshop feierte kürzlich ihren 30. Geburtstag. Ist es Fluch oder Segen, dass man Fotos einfach so nachbearbeiten kann? Wir haben die Kölner Fotografin Jennifer Rumbach gefragt.

Jenny, seit wann arbeitest du als Fotografin?
Seit gut 15 Jahren, vor allem im Bereich Business- und Porträtfotografie sowie Reportage. Außerdem übernehme ich für die Dombauhütte in Köln einen Teil der fotografischen Dokumentation.

Warum bist du Fotografin geworden?
Kurioserweise wollte ich ursprünglich gar nicht Fotografin werden, sondern Journalistin. Im Studium fehlte mir aber die praktische Komponente und habe mich dann doch für eine Foto-Ausbildung entschieden. Beim Fotografieren mag ich das Visuelle und den Kontakt zu den Menschen. Ich finde es spannend, den Charakter eines Menschen im Bild zu erfassen und ihn von seiner besten Seite zu zeigen.

Hilft dabei, dass du mit Photoshop die Möglichkeit hast, Bilder künstlich zu bearbeiten?
Künstlich klingt so negativ. Künstlerisch gefällt mir in dem Kontext besser. Grundsätzlich denke ich, dass Bildbearbeitung schon eine Daseinsberechtigung hat und einen künstlerischen Wert. Das Foto nur als Ausgangsmaterial zu betrachten und daraus etwas ganz Neues entstehen zu lassen, finde ich sehr reizvoll. Deshalb ist ein Tool wie Photoshop total praktisch und schafft viele Möglichkeiten. Ich bewundere Menschen, die das richtig gut beherrschen.

Aber hat Photoshop nicht unser Sehen beeinflusst? Ist Schönheit dadurch nicht zu perfekt geworden?
Ja und nein. Schönheitsideale und das Streben nach Perfektion gab es schon immer. Der „Idealtypus“ des Menschen hat nicht nur Michelangelo oder Leonardo da Vinci beschäftigt. Und Fotos wurden ebenfalls schon immer nachbearbeitet – mit Photoshop ist es lediglich einfacher geworden. Und schwerer zu unterscheiden, was real ist und was nicht. Problematisch finde ich, dass Menschen Bilder in sozialen Medien sehen und denken, sie sähen die Wirklichkeit. Es fehlt das Bewusstsein, dass vieles so eben nicht echt ist.

Wie viel Retusche findest du bei einem Foto okay?
In der Kunst finde ich es total unproblematisch, ein Foto bis auf das Äußerste zu verändern. Schwierig wird es im Bereich Journalismus oder wenn Bilder einen dokumentarischen Charakter haben sollten. Da ist es für meinen Geschmack ein totales No-Go. Ich selber retuschiere kaum. Ich habe ja noch analoge Fotografie gelernt. Dabei wurde mir eingeimpft, dass Bilder direkt bei der Entstehung gut sein müssen. Das versuche ich auch heute noch genauso umzusetzen.

Du arbeitest bei deinen freien Sachen gerne mit Polaroids. Warum?
Der Reiz, mit Polaroid-Material zu arbeiten, stammt aus meiner Ausbildungszeit. Wir haben Polaroids als Testbilder genutzt, um zu überprüfen, ob die Belichtung stimmt. Und weil ich den Geruch und das Trägermaterial mag und Polaroids als sehr wertig empfinde, bin ich dabeigeblieben. Mittlerweile reizt mich die Entschleunigung, die diese Art des Fotografierens mit sich bringt. Damit geht es eben nicht „schnell-schnell“. Außerdem haben Polaroids einen ganz eigenen Filter, der durch die Chemie entsteht. Hier gibt es also wieder einen Bogen zur Bildbearbeitung.

https://jennifer-rumbach.de

Foto: Jennifer Rumbach (© Anna Godhoff)

Über den Autor

Roya Piontek

Ein Magazin, vier Regionalausgaben und das alles in fünf Sprachen? Kein Problem. Je komplexer das Projekthandling, desto spannender die Aufgabe, findet Roya. Als Abwechslung schätzt sie Vor-Ort-Termine beim Kunden, bei denen man mit den Menschen hinter den Kulissen reden kann.

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