Gibt’s was Neues?

Das fragt eigentlich niemand mehr, weil es ja ständig was Neues gibt. In der Internen Kommunikation wird das zu einem immer größeren Problem.

Mit dem falschen Begriff geht´s schon mal los: Nicht von Informationsflut müsse man eigentlich sprechen, sagt die Arbeitspsychologin Annika Piecha, sondern von Informationsüberlastung. Eine Datenflut sei es vielmehr, die uns da überkommt und sogar eher dafür sorgt, dass wir uns schlecht informiert fühlen.

Dass wir vor lauter Inhalten kaum mehr Luft bekommen, belegt eine Nielsen-Studie: Während unsere Ahnen in den 1920er Jahren etwa zwei Stunden am Tag Inhalte konsumierten, verbringen wir hundert Jahre später etwa elf Stunden am Tag damit, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Puh!

Aber es hilft ja nichts, in der Internen Unternehmenskommunikation muss man trotzdem kommunizieren: informieren, erklären, kontextualisieren, mitnehmen, manchmal auch überzeugen und begeistern. Das Problem: Vielerorts wird es einfach übertrieben: Zu viele Kanäle, zu viele (oft redundante) Inhalte, zu viel Irrelevantes. Die Konsequenz: Es werden längst nicht mehr alle erreicht, vieles versendet sich, geht unter im dahinreißenden Strom einer multimedialen, internen Kakophonie. Was ist zu tun?

1. Die eigene Rolle anpassen! Wenn die Interne Kommunikation selbst weniger sendet, muss sie ihre Rolle als Kommunikationsmanager mit Autorität umso ernster nehmen. Ihre Aufgabe: den Kommunikationsfluss managen, Inhalte sortieren, Kontexte herstellen und den zielgerichteten Gebrauch von Kanälen sicherstellen.

2. Den eigenen Auftrag nicht vergessen! Themen setzen, Identifikation stiften, Veränderung erklären, Führung positionieren – das sind auch in der digitalen Welt die Aufgaben der Abteilung Interne Kommunikation. Das nimmt ihr keiner ab. Sie muss die Themen setzen und dafür braucht sie mindestens ein richtig starkes Instrument oder Medium, das beachtet wird.

3. Less is wirklich more! Nein, viel hilft nicht viel. Ein sinnvolles Medienset in der Internen Kommunikation zeichnet sich durch Fokussierung aus: auf ausgewählte Kanäle, die wirklich genutzt werden und auf Qualität in den Inhalten. Statt neue Kanäle zu bespielen, lieber die Qualität auf den Bestehenden verbessern.

4. Kenne deine Mitarbeitenden! Der große Vorteil der digitalen Kommunikation liegt in der Möglichkeit zur Individualisierung. Nutzt sie aus: Definiert konkrete Zielgruppen, analysiert ihre Bedürfnisse und passt Kanäle und Inhalte entsprechend an.

5. Immer schön kritisch bleiben! Die digitalen Möglichkeiten werden immer ausgefeilter. Aber passt das alles zu uns, kann jeder damit umgehen und gibt es klare Strukturen und Richtlinien zur Nutzung? Nicht wenige Anwendungen – Push-Nachrichten z.B. – treiben das Gefühl Informationsüberlastung eher voran. Spart Euch das und versucht es einfach mal mit einer starken Mail pro Woche.

Wieso ist das eigentlich so, dass man dazu neigt, immer mehr zu kommunizieren, obwohl man weiß, dass immer mehr nicht die Lösung ist? Warum haben Mitarbeitende im Unternehmen andere Kommunikationsgewohnheiten als im Privaten? Und wie kann Technologie vielleicht doch helfen, der Infoflut zu begegnen? In Folge 8 unseres Podcast „Federführend“ haben wir dazu mit der Arbeitspsychologin Annika Piechota und mit Caterina Taeger, Head of Employee and Leadership Communications
bei Siemens gesprochen.

Über den Autor

Carolin Diel

Reportagen, Features, Interviews – Carolin ist Journalistin mit der Lizenz zum Storytelling. Als Volontärin über Themen von Gesundheit bis Wirtschaft. Immer im Fokus: die Sprache, die aus einem guten Thema erst ein lesenswertes macht.

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