Fußball geht immer

Ohne Sprach- und Bildanleihen aus dem Fußball wäre die Unternehmenskommunikation aufgeschmissen.

Kreativmeeting im Unternehmen, ein Name für das neue Strategieprogramm wird gesucht. Es geht um Wachstum im harten Wettbewerb, man will in die Top 3 des europäischen Marktes vorstoßen, das gesamte Unternehmen wird gefordert sein. Es dauert nicht lang, da füllt sich das Flipchart mit den ersten Kampagnen-Motti. „Gipfelsturm“ steht da unter anderem und „Road to No.1“. Dann traut sich der erste Fußball-Fan: „Europameister“, schlägt er vor, denn: „Fußball zieht immer.“ Keine fünf Minuten später ist das Flipchart vollgeschrieben: „Champions League“, „Teamgeist“, „Heimspiel“, „Titeljäger“, „Einer für Alle“ usw.

Fußball geht immer. Kaum vorstellbar, wie moderne Unternehmenskommunikation ohne den Fußball auskäme, die Einsatzfelder sind unbegrenzt.

Der Vorstand braucht den Fußball als Metapher zur Strategie-Erklärung, wenn er darlegt, wie das Unternehmen „im Abseits“ steht oder „den Anschluss an die Spitze verloren“ hat. Wenn er darlegt, dass die „Trefferquote“ in der Neukundengewinnung nicht mehr stimmt, die „Abstimmung im Team“ leidet und Führungskräfte jetzt auch als „Playing Cäpt´n“ gefragt sind. Die Kosten im Blick haben und gleichzeitig investieren und wachsen, das nennt man unternehmerisch „kontrollierte Offensive“. Dazu gibt`s die passenden Fußball-Strafraumszenen oder Jubelfotos der Nationalmannschaft auf den Power-Point-Charts (Tipp: keine Bayern-Fotos verwenden!).

Auch wenn die Historie des Unternehmens erläutert werden muss, hilft die Fußball-Analogie. Es ist nicht lange her, „da spielte unser Unternehmen noch in der zweiten Liga“. Dann der Aufstieg, „und jetzt wollen wir auch europaweit vorne mitspielen“. Noch besser funktioniert der Fußball, wenn eine Reorganisation ansteht. Um die neue, nicht immer attraktiveren Positionen zu beschreiben, hilft die Parallele zur Mannschaftsaufstellung. Da braucht man Kollegen „in der Verteidigung, die den Laden sauber halten“ (Compliance, Shared Service etc.) , man braucht „Spielmacher“ (Führungskräfte) und „Offensivkräfte“ (Vertrieb). Und da man selbst über den Fahrer des Mannschaftsbusses, den Schuhputzer oder Koch der Nationalmannschaft in der BILD lesen kann, werden im neuen Geschäftsmodell sogar die Pförtner zum Erfolgsfaktor.

Und doch passiert es manchmal, dass trotz Mannschaftsgeist und Einsatz über die volle Distanz die Strategie nicht funktioniert, die Reorganisation auch nicht und das Unternehmen in den Krisenmodus schaltet. Für das Programm „Heimspiel“ geht´s dann in die Verlängerung, in der die Mannschaft noch mal alles gibt. Klappt´s auch da nicht, bleibt immer noch die Flucht in Effenbergsche Relativitätstheorien: „Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch.“

Quelle Beitragsbild: © karepa, fotolila.com

Über den Autor

Lutz Zimmermann

Vom kleinen Dachstudio ins Großraumbüro in Ehrenfeld – seit Lutz die Agentur 2011 gegründet hat, ist aus seinem Zwei-Mann-Unternehmen eine 12-köpfige Agentur geworden. Was sich in all der Zeit nicht geändert hat, ist Lutz Liebe für flache Hierarchien und griffige Überschriften. Und wenn der 1. FC Köln nicht gerade verloren hat, ist er jederzeit für einen Plausch über Sport zu haben.

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