Kurz vorgestellt: Christoph Mett

Sie haben zwar keinen festen Platz in unserem Büro, aber auf unserer Kurzwahltaste. Wir stellen die freien Kolleg:innen vor, mit denen wir am liebsten zusammenarbeiten. Diesmal: Christoph Mett, Illustrator und Trickfilmer

Wenn es um das Layout eines Texts geht: Was kann eine Illustration, was Fotos nicht können?
Ich sehe Illustrationen als gestalterisch rechtsfreien Raum. Man muss sich nicht an physikalische oder biologische Gesetzmäßigkeiten halten. Aber oft wird diese Möglichkeit gar nicht genutzt. Stattdessen wird oft sehr realitätsgetreu illustriert. Das sehe ich mehr als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Wenn ich realistisch arbeiten will, kann ich auch fotografieren.

Was macht für dich eine gute Illustration aus?
Bei einer guten Illustration gehen Idee und Ausführung gut zusammen. Wenn es ein schlüssiges Bildkonzept gibt, genügt es, einen winzigen Schritt zu gehen, um das darzustellen – zum Beispiel eine Büroklammer zu einer Trompete zu verbiegen. Was so etwas angeht ist der Illustrator Christoph Niemann eine große Inspirationsquelle für mich. Es geht darum Bilder zu sehen, wo sie sonst keiner sieht.

Was ist dir lieber: Ein Briefing, bei dem der Kunde noch keine konkrete Idee hat und dir sehr viel Raum lässt, aber die Gefahr besteht, dass du alles nochmal über den Haufen werfen musst. Oder ein Briefing, bei dem der Kunde sehr genau weiß, was er will und du nur ausführst?
Ich kann sehr gut damit arbeiten, wenn Kunden eine sehr genaue Vorstellung davon haben, was die Grundaussage ihres Textes sein soll. Wenn es aber Leute gibt, die stilistisch sehr viel mitbestimmen wollen, dann würde ich sagen, die sollen den Stift selbst in die Hand nehmen. Die Bildidee kann man gerne gemeinsam entwickeln, aber die Ausführung übernehme ich schon gerne selbst.

Du bist ja auch noch Trickfilmer. Was unterscheidet den kreativen Prozess beim Illustrieren von jenem beim Trickfilmen?
Beim Illustrieren ist man sehr festgelegt. Die Bilder sind nicht beweglich. Ich kann natürlich eine gewisse Dynamik zeigen, aber bei Trickfilmen kann man einfach ein bisschen mehr – wie der Name schon sagt – tricksen. Zaubern. Wenn beispielsweise eine Tonkugel irgendwo herunterfällt, muss sie nicht in ihre Einzelteile zerbrechen, sondern vielleicht in hunderte Knöpfe oder Radieschen. Diese Möglichkeit gibt es eben durch die 24 Bilder pro Sekunde. So ergibt sich ein großes Spielfeld, um die Betrachter zu überraschen.

Was bedeutet für dich Kreativität?
Kreativität hat nicht so viel mit den Schlagworten zu tun, die bei vielen Leuten im Hinterkopf sofort aufpoppen wie Farbkasten, Staffelei und Papier. Es geht mehr um die Beobachtungen im Alltag. Kreativität ist ein „Offen-durch-die Welt-Gehen" und gucken, was interessante Bilder sind.

Was hat dich zuletzt inspiriert?
Mich inspirieren Literatur und Filme von Protagonisten, die eher eine Outsider-Funktion haben und die Gesellschaft aus einem anderen Blickwinkel beobachten. Zum Beispiel Charles Bukowski. Aber auch Daniel Kehlmann oder Christian Kracht.

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Über den Autor

Carolin Diel

Reportagen, Features, Interviews – Carolin ist Journalistin mit der Lizenz zum Storytelling. Als Volontärin über Themen von Gesundheit bis Wirtschaft. Immer im Fokus: die Sprache, die aus einem guten Thema erst ein lesenswertes macht.

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