Zuhören ist die Botschaft

Interne Kommunikation heißt nicht nur Senden. Empfangen ist oft viel wichtiger. Warum Mitarbeiter das Gefühl brauchen, gehört zu werden.

Früher habe ich manchmal den Personalvorstand eines Dax-Konzerns bei Besuchen „in der Fläche“ begleitet. Fürs Intranet und für die Mitarbeiterzeitschrift sollte ich darüber
berichten. Im Grunde hätte man diese Berichte „kalt“ schreiben können. Denn egal, ob der Personalchef im Norden, im Süden, in der Produktion oder vor mittlerem Management sprach – immer sagte er eigentlich nur: „Danke!“ Erst bedankte er sich für die gute Arbeit oder das schnelle Implementieren dieser oder jener Innovation. Dann drehte er eine Runde durch die Abteilung und ließ sich von jedem Einzelnen erklären, woran er gerade arbeitet. Strategische Botschaften? Kernige Ansagen zur Mitarbeitermotivation? Fehlanzeige.

Erst später habe ich kapiert: Für diesen Vorstand war das Medium die Message. Er wusste: Klare Ziele sind wichtig, und man sollte sie auch kommunizieren. Aber gute Mitarbeiterkommunikation bedeutet eben nicht, ohne Unterlass „Kernbotschaften“ zu versenden. Denn die besten Ansagen versickern, wenn man versäumt, den Boden für sie zu bereiten. Man kennt das aus dem Privatleben: Schildert einem der Partner seine Sorgen, hilft es nichts, wenn man ihn gleich mit Ratschlägen überrollt. In 99 Prozent aller Fälle braucht er erst mal jemanden, der ihn wertschätzt und versteht. Alles andere kommt später.

Wenn ich heute in Laboren, Kliniken oder Fabriken unterwegs bin, um für interne Medien über Teams und deren Arbeit zu berichten, besteht mein Job vor allem aus Zuhören. Die allermeisten Mitarbeiter freuen sich ehrlich, dass sich das Unternehmen für sie und ihre Arbeit interessiert. Eigens für das Gespräch haben sie Termine verschoben, Treffen mit Kunden arrangiert oder Power-Point-Vorträge vorbereitet. Sie nehmen sich Zeit für Führungen und Fragen und machen auch dann noch mit, wenn der Fotograf eine Pose zum xten Mal sehen will.

„Gehen Sie mal durch die Abteilungen und plaudern Sie bei einer Tasse Kaffee mit Ihren Kollegen. Dabei werden Sie erfahren, was die Leute wirklich umtreibt – und Anregungen für Kommunikationsmaßnahmen bekommen, die kein Management-Meeting jemals liefern kann“, schreibt Matthias Kluckert, Teamleiter des Content & Material Teams bei Linde Material Handling, gerade auf dem Portal pressesprecher. Der Mann hat Recht. Kommunikation kommt vom lateinischen communicare, in Verbindung stehen. Wir sollten es nicht mit Senden verwechseln.

Über den Autor

Michael Aust

Wörter wie Mukoviszidose und Pädiatrische Hämatologie gehen Michael flüssig über die Lippen. Seit mehr als zehn Jahren schreibt er inzwischen über Gesundheitsthemen – und hat sich dabei eine Menge Medizinerwissen angeeignet. Trotzdem: Wenn beim Schreiben aus einer losen Wörtersammlung eine Geschichte entsteht, ist Michael doch froh, nicht Arzt sondern Redakteur geworden zu sein.

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